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Von weihnachtlichen Düften, Zimtsternen und „Lebkuchenpflastern“

Finden Sie heraus, warum es in Harro Höfligers Montagehallen gelegentlich nach Zimt und Nelken duftet.

12.12.2019

 

Mit Beginn der Adventszeit werden jetzt viele Menschen wieder die traditionellen Weihnachtsmärkte besuchen und sich am Duft von Lebkuchen und Glühwein erfreuen. Die Quelle dieser charakteristischen Aromen sind Gewürze, die historisch auch in der Pharmazie als Wirkstoffe oder zur Verbesserung der Rezepturen verwendet wurden. Heute findet man Zimt, Nelken, Piment, Anis, Kardamom und Muskatnuss eher in Lebkuchen, die sich von der Tradition der Heilbrote oder Kultbrote ableiten lassen.

Die Menschen würzen ihre Nahrung schon seit prähistorischer Zeit mit aromatischen Pflanzen, später auch gerne mit den oben genannten Zutaten, sofern sie sich diese überhaupt leisten konnten. Denn die begehrten exotischen Gewürze, die unter hohen Risiken aus fernöstlichen Ländern in den Mittelmeerraum importiert wurden, waren extrem teuer und wurden in Europa mit Gold aufgewogen. So verwundert es auch nicht, dass in manchen Erzählungen der große Reichtum einiger Kaufleute (der „Pfeffersäcke“) anhand ihres verschwenderischen Umgangs mit den kostbaren Waren dargestellt wurde. Von Anton Fugger wird etwa behauptet, dass er 1530 Kaiser Karl V. seine Schulden erließ, indem er in dessen Gegenwart die Schuldscheine auf einem Feuerchen aus Zimtstangen verbrannte und so nebenbei seinen ungeheuren Reichtum demonstrierte [1]. 

In der Arzneibereitung hat man diese Gewürze in historischer Zeit vor allem verwendet, um perorale Darreichungsformen einigermaßen genießbar zu machen und den oft bitteren Geschmack der Zutaten zu überdecken. Ein schönes Beispiel für solche Zubereitungen sind die Morsellen (Morsuli), die heute noch in einigen Apotheken als „Placebo“-Konfekt vor allem in der Vorweihnachtszeit angeboten werden [2]. Die alten Arzneibücher enthielten zahlreiche Rezepturen für eine Trägermasse aus Zucker, Honig oder auch gemahlenen Mandeln, in die verschiedene Arzneistoffe eingearbeitet wurden. Mit den typischen Lebkuchengewürzen versetzt wurden sie als magenstärkende Morsellen verordnet.

Alle in der Weihnachtsbäckerei und bei der Glühweinbereitung eingesetzten Gewürze werden aber nicht nur als Geschmackskorrigenzien sondern traditionell auch als Heilmittel eingesetzt, manche werden auch in jüngster Zeit noch genauer wissenschaftlich untersucht. Als Beispiel sei der Zimt genannt, für den eine – wenn auch schwach ausgeprägte - antidiabetische Wirkung postuliert wird, die sich z.B. in einer Absenkung des Nüchtern- Blutzuckerspiegels zeigt [3]. Etwa zeitgleich mit der zitierten Publikation schreckte das BfR (das Bundesinstitut für Risikobewertung) die Liebhaber zimthaltigen Weihnachtsgebäcks mit der Warnung vor einer übermäßigen Cumarineinnahme auf [4]. Die Substanz, vielen vielleicht als typischer Träger des Waldmeister-Aromas bekannt, ist vor allem im Cassia-Zimt enthalten und könnte bei dauerhaftem Genuss größerer Mengen von Zimtsternen vor allem eine leberschädigende Wirkung entfalten. Die Höchstmenge in Lebensmitteln wurde in der Zwischenzeit durch die EU-Richtlinie EG 1334/2008 auf 50mg/kg in Zimtsternen festgelegt, woraus sich unter Berücksichtigung der vom BfR empfohlenen maximalen täglichen Aufnahme von 0,1mg Cumarin / kg Körpergewicht für den Weihnachtsmarktbesucher folgende Faustformel für den maximalen täglichen Zimtsternverzehr [N = Anzahl Zimtsterne] als Trost und Entwarnung ergibt:

 

 

        Nmax =(Körpergewicht [in kg])/7       [5]

 

 

Geht man bei Harro Höfliger durch die Montagehallen, kann es passieren, dass einem auch außerhalb der Weihnachtszeit der Duft von Zimt und Nelken um die Nase weht. Dann findet möglicherweise gerade ein Probelauf auf einer Maschine statt, die eine marzipanähnliche, intensiv riechende Masse zu Pflastern verarbeitet. Diese, von den Mitarbeitern sogleich als „Lebkuchenpflaster“ bezeichneten, Umbilical Patches sind in China sehr beliebt und werden zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden bei Kleinkindern auf dem Nabel appliziert. Die Masse enthält als wirksame Bestandteile Zimt, Nelken und Piper longum, ein enger Verwandter des bei uns gebräuchlichen Pfeffers [6]. Nachdem es bei HH gelungen war, die klebrige Masse exakt vorzuformen und präzise dosiert auf die Trägerbahn zu applizieren, wurden mehrere solcher Maschinen gebaut und so in Allmersbach – zumindest sensorisch – die Adventszeit verlängert.

Mehr Informationen zu den „Lebkuchenpflastern“: www.hoefliger.com/anwendungen/bauchnabel-pflaster-gegen-bauchschmerzen

 

 

 

[1]    https://www.fugger.de/singleview/article/die-bekanntesten-fugger-irrtuemer/30.html (letzter Zugriff 24.11.2019).

[2]    Dieterich E., Neues Pharmazeutisches Manual, Springer, Heidelberg 1901, 336-345.

[3]    Mang B. et al., Eur J Clin Invest 36 (2006) 340-344.

[4]    Gesundheitliche Bewertung des BfR Nr. 043/2006 vom 16. Juni 2006, später ergänzt durch die Stellungnahme 036/2012 vom 27. September 2012.

[5]    Roth K., Chem. unserer Zeit 44 (2010) 414-433.

[6]    Kumar S. et al., J Acupunct Meridian Stud 4 (2011) 134-140.

 

 

Von Dr. Karlheinz Seyfang

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